19 Juni 2006

Max Frisch und das Staunen | Max Frisch died 15 years ago


Tagebuch 1966-1971
Originally uploaded by nennett.
»Worte verbinden nur, wo unsere Wellenlängen längst übereinstimmen.«

Vor 15 Jahren ist Max Frisch gestorben; am 4. April 1991. 15 Jahre - eine Zahl, die sich für Gedenktage eignet. Aber über Max Frisch habe ich nichts gehört in dieser Zeit. Ich selbst habe es auch vergessen; so wie ich oft Geburtstage oder Namenstage vergesse.

Was ich nicht vergesse: »Mein Name sei Gantenbein«, »Stiller« und »Montauk«. Frischs Grundthema - Rolle und Wahrheit oder die vielen Wahrheiten oder die keine Wahrheit, die es vielleicht gibt. »Jeder Mensch erfindet sich früher oder später eine Geschichte, die er für sein Leben hält, oder ein ganze Reihe von Geschichten«, lässt er einmal eine Figur sagen. Ich glaube, es ist Gantenbein, der das sagt.

Es wird etwas erzählt, neu erzählt, wie es auch hätte sein können, anders erzählt in seinen Geschichten; die Rollen und Perspektiven wechseln immer wieder. Was wäre gewesen, wenn die Dinge ein bisschen anders gekommenn wären? Seine Menschen verstehen sich oft nicht. Am wenigsten dann, wenn sie sich etwas erklären wollen. Manchmal verstehen sie sich auch; dann reden sie meist nicht.

Zu einer Zeit, in der andere Autoren, die »therapeutisch-rechtfertigende Aufarbeitung« zwischenmenschlicher Beziehungen predigten, ging Frisch einen anderen Weg. Sein »Sein-Lassen« steht im krassen Gegensatz dazu: »Wenn man einen Menschen liebt, so läßt man ihm jede Möglichkeit offen und ist trotz aller Erinnerungen einfach bereit, zu staunen, immer wieder zu staunen, wie anders er ist, wie verschiedenartig und nicht einfach so, nicht ein fertiges Bildnis, wie du es dir machst von deiner Julika.» (»Stiller»).

All dies hat nicht die Dramatik und Katastrophenstimmung anderer Romane dieser Zeit. Die Menschen sollten und können damit leben. Diese Gelassenheit ist es, die Frisch auch ausmacht.

Einige Wochen vor seinem Tod sendete das Schweizer Fernsehen ein Interview mit ihm. Es was sein letztes. Er sagte damals, dass er alt sei und niemanden mehr habe, mit dem er seine Erinnerungen teilen könne. Und, dass es deshalb auch für ihn Zeit wäre.

... IN ENGLISH


Max Frisch died 15 years ago. Max Frisch is one of the most representative writers of the German literature in the 20th-century. He wrote about topics like search or loss of personal identitiy or trying to understand. His point of view often departs from other novelists of this days. At this time, writers has mostly been political man too; and so did Max Frisch.

His novels are worth reading: »A Wilderness of Mirrors«, »I'm Not Stiller«, »Homo Faber«, ...

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